Luxusgrüße aus Moskau
Moskaus Millionäre lassen es mächtig krachen. Und Investoren nehmen sie zunehmend ins Visier. Mit Luxushotels greifen Investmentgesellschaften nach den Sternen. Moskau stürmt Immobiliengipfel. Es scheint, als schwimme Moskau in Millionen: In der O2 Lounge ist alles Gold, was glänzt. Die Reichsten Russlands aalen sich auf purpurfarbenem Samtbrokat. Die Sushi- Bar serviert Blauflossen-Thunfisch-Röllchen mit Blattgold garniert.
Auch das Panorama bietet Prunk und Protz: Das Millionärsauge blickt auf die funkelnde Farbenpracht des Roten Platzes. Ein Märchen in Luxus. Im Juli eröffnete das Ritz Carlton und zählt schon zu den wichtigsten Treffpunkten der 33 Milliardäre und zahlreichen Dollar-Millionäre der Stadt. Doch Konkurrenz naht: 2008 sollen vier weitere Fünf-Sterne Paläste den Roten Platz zieren. Kaufkraft und Nachfrage sind vorhanden. Auch bei den niedrigeren Kategorien bietet der Hotelimmobilienmarkt viel Potenzial, wie Matthias Schröder, Partner bei PKF Hotelexperts, weiß: „Moskau bietet attraktivste Investitionsmöglichkeiten. Der Bedarf an neuen, zeitgemäßen Hotelprodukten ist sehr groß. Besonders auch in den Segmenten Budgetund Mittelklassehotellerie herrscht noch hoher Nachfragebedarf.“ Das sieht auch Christoph Härle, Managing Director von Jones Lang LaSalle Hotels, so: „Der Moskauer Hotelmarkt ist ein absolutes Boomsegment. In den letzten drei bis vier Jahren sind die Zimmerdurchschnittspreise und die Auslastungen kontinuierlich gestiegen und haben somit zu einem stetigen Wachstum des Rev- Par (Anm. d. Red.: Umsatz pro verfügbarem Zimmer) in Moskau geführt. Im ersten Halbjahr 2007 ist der RevPar Index in Moskau um 21 Prozent gestiegen. Diese Zahlen gelten für Hotels der vier und fünf Sterne Kategorie.“ Luxus ist in! Moskau profitiert von einer boomenden Wirtschaft. Internationale Investoren legten in den vergangenen zwei Jahren alleine 1,5 Milliarden US-Dollar an. Die russische Hauptstadt verzeichnet mit 3,5 Millionen Touristen 2005 sieben Prozent mehr als 2004. Die Tourismusbehörde geht von einem Wachstum bis 2010 auf fünf Millionen Besucher aus. Für die russische Metropole sind bis 2012 insgesamt 14.500 Hotelzimmer mit internationalem Standard geplant. Härle von Jones Lang LaSalle ist zuversichtlich: „Aufgrund der explodierenden Zimmerpreise und der Schließung einiger alter sowjetischer Staatshotels macht eine Erweiterung des internationalen Hotelangebotes durchaus Sinn.“ Die durchschnittlichen Zimmerpreise im drei bis vier Sternebereich lagen im vergangenen Jahr bei etwa 223 Euro – 23 Prozent höher als 2005.
Politik bleibt außen vor. Der politisch zurzeit gereizte Ton Moskaus drückt die Stimmung nicht, so Härle: „Politische Spannungen zwischen einzelnen Ländern oder Regionen können immer einen gewissen Einfluss auf die Performance einzelner Wirtschaftszweige haben. Letztlich ist Russland aber kein Land mehr, das sich selber isolieren oder von anderen Ländern oder Regionen isoliert werden kann. Politische Diskussionen der letzten Jahre hatten keinen Einfluss auf die positive Performance- Entwicklung der Moskauer Hotels. Darüber hinaus wird sich in Russland auch die Binnennachfrage nach Hotels mit internationalem Standard weiter steigern.“ Vor allem aber zählt eins: Der Rubel soll rollen – auch Dr. Thomas Beyerle, Leiter Research und Strategie der DEGI, bekräftigt: „Man darf über aktuelle Spannungen in der Politik nicht vergessen, dass alle Seiten nachhaltige Geschäfte machen wollen.“ Die Stadt steht bei der DEGI hoch im Kurs: „Moskau ist zweifelsfrei ein Boomsegment, was sich sowohl in der Investorennachfrage aus dem Ausland, als auch anhand der zahlreichen spektakulären Immobilienvisionen und -projekte belegen lässt.“
Der Griff nach dem Kaviar. Deutsche Anleger sollten wachsam sein, klärt Härle auf: „Deutsche Anleger könnten durch ein direktes Investment in einzelne Hotelimmobilien profitieren, was aber in Russland für Privatanleger weiterhin die Ausnahme ist. Letztlich werden die meisten Investitionen, bei denen internationales Kapital beteiligt ist, noch von Joint Ventures getätigt. Die internationalen Partner sind zum heutigen Zeitpunkt entweder Private Equity oder größere Investmentgesellschaften und teilweise auch spezialisierte Hotelinvestoren. Es wird noch einige Zeit dauern, bevor die ersten Hotel- Fonds zur Direktanlage für deutsche Anleger in Russland angeboten werden.“ Allerdings ist Beyerle sehr zuversichtlich, dass es für die DEGI bald soweit sein könnte: „Die DEGI ist aktiv auf der Suche nach Objekten, die in das Fondsprofil passen.“ Schröder erklärt, dass vereinzelt Fondgesellschaften im Entstehen oder bereits auf dem Markt sind. Beispielsweise der österreichische „H1-Hotelfond“, der kürzlich einen Rahmenvertrag mit der russischen Regierung über die Errichtung von 50 Hotels in Russland unterzeichnet hat. Der Appetit auf Kaviar entsteht beim ersten Bissen!
